Viele Jahre lang standen wir im Mai immer in unserem Garten, denn sobald der Flieder zu blühen begann, wurden wir in den Garten geschickt. In der Küche wiederum wurde ein großer Topf hervorgeholt, Zitronen aufgeschnitten und Zucker bereitgestellt. Denn der neue Fliederblütensirup musste eingekocht werden.
Der Duft, der dann durch das Haus zog, war wie ein Stück Frühling an, von dem man das ganze Jahr etwas hatte. Flieder, so kurz seine Blühdauer leider nun mal ist, lässt sich wunderbar einfangen und konservieren – und zwar ganz einfach als leckerer Sirup.
Fliedersirup ist einer dieser Klassiker für mich, die meiner Meinung nach fast in Vergessenheit geraten. Dabei braucht’s dafür weder einen großen Aufwand noch ausgefallene Zutaten. Nur ein bisschen Geduld, ein paar duftende Flieder Dolden und vielleicht eine kleine Erinnerung an die Kindheit, die leise beim Kochen mitköchelt.
Warum also nicht die kurze Blütezeit des Flieders ausnutzen und sich ein kleines Stück Vorfreude auf laue Sommerabende ins Glasfläschchen abfüllen?
Inhaltsverzeichnis
Wann ist die beste Zeit zum Flieder pflücken?
Am besten pflückt Ihr die Fliederblüten an einem sonnigen, trockenen Vormittag. Denn genau dann duften sie am intensivsten – die ätherischen Öle haben Zeit gehabt, sich in den Blüten zu sammeln, und glaubt mir, dass schmeckt man später auch im Sirup. Für uns Kinder war das Fliedersammeln immer gleich ein kleines Abenteuer. Wer bekommt findet die schönsten Blüten und die Dolden, die am besten duften.
Sammelt wirklich nur die trockenen Dolden, denn feuchte Blüten können schnell zu Gärung oder Schimmel führen, also lieber nicht nach Regen oder am frühen Morgen ernten.
Und noch ein Tipp: Schüttelt die Dolden daheim vorsichtig aus – so verabschiedet sich das ein oder andere Insekt ganz von selbst, ohne dass du es im Sirup landet.
Solltet Ihr keinen eigenen Flieder im Garten haben, gibt es auch immer wieder Ecken, wo Flieder wild wächst. Ihr solltet Euch aber sicher sein, dass der Strauch nicht gespritzt wurde und dann er nicht an einer viel befahrenen Straße steht. Oder fragt bei Eurem freundlichen Nachbarn nach, bei dem vielleicht ein Flieder wächst, ob Ihr ein paar Dolden bekommen könnt – er freut sich dann bestimmt auch über ein Fläschchen Eures leckeren selbstgemachten Fliedersirups.
Wie wird der Sirup nicht bitter?
Einen kleinen Fehler könnt Ihr beim dann doch machen, denn wenn Ihr die ganzen Dolden einfach in den Ansatz gebt, dann kann Euer Fliederblütensirup leider schnell bitter werden.
Denn so hübsch die Fliederdolden auch sind – in den grünen Stielen und Blattansätzen stecken Bitterstoffe, die den Sirup leider bitter machen können. Und Ihr wollt ja am liebsten den wunderbaren Flieder Frühlingsduft in den Gläser festhalten.
Also müsst Ihr die zarten Blüten abzupfen oder die Dolden ganz knapp unterhalb der Blüte abschneiden.
Auch die Ziehzeit hat’s in sich: Zu lange sollten die Blüten nicht im Sud liegen – 24 bis 36 Stunden reichen völlig. Solltet Ihr den Flieder länger ziehen lassen, kann es leider wieder passieren, dass dieser leicht bitter wird.
Und bitte nicht auf gar keine Fall die Fliederblüten mitkochen – das nimmt dem Sirup das feine florale Aroma und macht ihn schnell herb.
Das Rezept ergibt 2 l Sirup.

Zutaten für den frühlingshaften Fliedersirup
Mogntratzerl – Zeitangaben
Vorbereitungszeit: 20 Minuten
Ziehzeit: 24 Stunden
Mogntratzerl-Einkaufsliste für den Sirup mit Fliederblüten
- 1,5 L Wasser
- 40 – 50 g Fliederblüten (abgezupft)
- 800 g Zucker (weiß)
- 1 Bio-Zitrone
- Großes 3 L Gefäß mit Deckel
- 4x 500ml Flaschen mit Verschluss




Zubereitung des Fliedersirups
Als erstes, und das ist ganz wichtig, zupft Ihr die einzelnen Fliederblüten von der Dolde ab, so dass kein grün mehr an den einzelnen Blütenverbleibt. Am einfachsten nehmt ihr hierzu eine kleine Pinzette.
Die einzelnen Blüten dann in das große Gefäß geben.
Dann die Bio- Zitrone in Scheiben schneiden und ebenfalls zu den Blüten ins Glas geben.
Nun das Glas mit dem Wasser befüllen und gut verschließen. Den Ansatz dann am besten für 24 Stunden, maximal für 36 Stunden in den Kühlschrank stellen.
Nach der Ziehzeit den Sirup durch ein sehr feines Sieb oder ein Passiertuch angießen, so dass wirklich nur noch die Flüssigkeit übrigbleibt.
Zusammen mit dem Zucker in einen Topf geben und bei mittlerer Temperatur einmal aufkochen lassen.
Achtung nicht zu lange oder zu heiß kochen, ansonsten verliert der Sirup seinen Geschmack.
Den noch heißen Sirup in sterile Flaschen abfüllen und sofort verschließen.

Anmerkungen von mir
Der Sirup ist nun einige Wochen haltbar, allerdings sollte er nach dem Öffnen im Kühlschrank gelagert werden.
Und ja in der Tat ist der „gemeine Flieder“ (Syringa vulgaris) in einigen Teilen giftig. Hier sind allerdings hauptsächlich die Rinde und die Blätter gemeint. Die Blüten hingegen gelten nur als „schwach giftig“ und können in der Küche genutzt werden. Aber eben auch wie das bei so vielen Dingen im Leben ist mit Maß und Ziel.
Um eine Vergiftung von den Blüten zu erhalten, müsste man definitiv einige Hand voll Blüten essen.
Die passenden Mogntartzerl-Empfehlungen
Fliedersirup selber machen – die besten Tipps & Tricks
Flaschen und Deckel vor dem Abfüllen heiß ausspülen oder auskochen. Der Sirup hält sich kühl und dunkel gelagert mehrere Monate. Auch sollte das große Glas, in dem Ihr den Sirup ansetzt, sauber und steril sein.
Sucht Euch einen sonnigen Tag, um die Fliederblüten zu zupfen, das intensiviert den Geschmack des Sirups. Außerdem solltet Ihr nur Blüten verwenden, die voll geöffnet sind und nicht schon verblüht sind. Diese können getrost am Fliederstrauch bleichen.
Fliedersirup verwenden – dazu passt der duftende Sirup besonders gut
Schön erfrischend soll der Sirup sein, also versucht mal ein wenig Fliedersirup über einer Kugel Vanilleeis oder ein paar Tropfen über einen Sandkuchen, Ihr werdet sehen, wie wunderbar der Frühling auch auf dem Teller sein kann. Ach, und ein kleiner Schluck in so einem Glas Prosecco ist auch was ganz was Feines.
Mehr Frühlingsrezepte zum Einmachen & Genießen
Um im Frühlingslaune noch ein wenig zu verbleiben, habt Ihr schon mal Waldmeistersirup selbstgemacht? Solltet Ihr unbedingt mal versuchen.
Oder kennt Ihr Hollerkücherl? Das sind im Weinteig ausgebackene Holunderblüten, auch ein echter Frühlingsklassiker. Dann darf aber auch der wunderbare Rhabarberkuchen mit Pudding im Blätterteig nicht fehlen oder ein klassischer Rhabarber Quark Strudel? Hach, der frühlings ist so eine wunderbare Zeit, um mal wieder richtig in der Küche rumzuwirbeln und den Kochlöffel zu schwingen!
Häufige Fragen zum Fliedersirup – Tipps, Haltbarkeit & mehr
Gut verschlossen, sauber abgefüllt und kühl sowie dunkel gelagert hält sich der Sirup mehrere Monate. Ein Spritzer Zitrone im Rezept hilft zusätzlich beim Konservieren. Geöffnete Flaschen gehören in den Kühlschrank und sollten innerhalb von 2–3 Wochen aufgebraucht werden.
Ja, in kleinen Portionen (z. B. in Eiswürfelformen) kannst du ihn wunderbar einfrieren – ideal für sommerliche Drinks!
Klar – klassischer Haushaltszucker klappt natürlich immer, aber du kannst auch Rohrzucker nehmen. Das verändert allerdings leicht den Geschmack und die Farbe. Auch Zuckerersatz ist möglich, allerdings verkürzt dies die Haltbarkeit.




